{"id":2594,"date":"2024-01-06T21:06:55","date_gmt":"2024-01-06T21:06:55","guid":{"rendered":"https:\/\/rslnc.com\/?p=2594"},"modified":"2024-01-06T21:09:55","modified_gmt":"2024-01-06T21:09:55","slug":"glueck-vs-zufriedenheit-warum-wir-nicht-dauerhaft-gluecklich-sein-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rslnc.com\/de\/wissen-de\/glueck-vs-zufriedenheit-warum-wir-nicht-dauerhaft-gluecklich-sein-koennen\/","title":{"rendered":"Gl\u00fcck vs. Zufriedenheit | Warum wir nicht dauerhaft gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p>Oft erleben wir das Gef\u00fchl von Gl\u00fcck ein bisschen wie einen Rauschzustand. In diesem Moment f\u00fchlt man sich absolut gro\u00dfartig. Fast, als ob man &#8222;high&#8220; w\u00e4re. Aber dieser Zustand h\u00e4lt meistens nicht besonders lange an. Und auf das Hochgef\u00fchl folgt dann ebenso oft auch eine Art &#8222;Kater&#8220;. Oder schlimmer noch, man f\u00fchlt sich hinterher schlechter als zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ist also Gl\u00fcck tats\u00e4chlich nur eine<\/em> <em>Art Rausch, der gar nicht ewig w\u00e4ren kann? Was passiert in unserem K\u00f6rper, wenn wir Gl\u00fcck empfinden? Und wie unterscheidet sich Gl\u00fcck von Zufriedenheit?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Euphorie, die wir in Momenten des Gl\u00fccks empfinden, beruht in weiten Teilen auf chemischen Prozessen in unserem K\u00f6rper, die einen wesentlichen Einfluss darauf haben, wie wir uns f\u00fchlen. Entscheidend daf\u00fcr ist die Aussch\u00fcttung sogenannter &#8222;Gl\u00fcckshormone&#8220; \u2013 bestimmter hirneigener Belohnungsstoffe (Hormone und Neurotransmitter), die Wohlbefinden bzw. Gl\u00fccksgef\u00fchle hervorrufen. Die bekanntesten sind Dopamin, Serotonin, Endorphin und Oxytocin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Aussch\u00fcttung dieser Botenstoffe sind vielf\u00e4ltig. Alkohol, Drogen oder Sex tragen tats\u00e4chlich dazu bei. Auch Sport oder andere Formen von Bewegung haben einen positiven Effekt. Oder sich durch sch\u00f6ne Musik, ein gutes Gespr\u00e4ch oder das Gef\u00fchl von Verliebtsein ber\u00fchrt zu f\u00fchlen. Und nat\u00fcrlich beruflicher Erfolg oder andere Formen der sozialen Anerkennung. <\/p>\n\n\n\n<p>Das spannende dabei ist, dass all diese Gl\u00fcckszust\u00e4nde sehr unterschiedlich lange anhalten. Drogen, Sex oder Geld wirken als Belohnung zun\u00e4chst sehr stark, halten aber nicht lange an und nutzen sich schnell ab \u2013 m\u00fcssen also immer wieder \u00fcberboten werden. Belohnungen sozialer Art \u2013 also Lob, Anerkennung oder Macht \u2013 wirken l\u00e4nger. Aber auch hier l\u00e4sst die Wirkung irgendwann nach. Es gibt einen Gew\u00f6hnungseffekt.&nbsp;Diese Art des berauschenden Gl\u00fccks hat also eine Halbwertzeit und diese sorgt daf\u00fcr, dass wir danach eventuell umso tiefer ins Ungl\u00fccklichsein st\u00fcrzen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deshalb ist es sehr wichtig zu verstehen, dass das Gl\u00fccksgef\u00fchl, das wir versp\u00fcren, und <strong>Zufriedenheit im Leben <\/strong>zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Gl\u00fcck ist Zufriedenheit vor allem eine Lebenshaltung \u2013 also die Frage danach, wie wir unser Leben generell erleben, begreifen, empfinden und bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie zufrieden wir mit unserem Leben sind, wird schon fr\u00fch gepr\u00e4gt und h\u00e4ngt u.a. davon ab, wie unsere Eltern auf ihr Leben und die Welt schauen (Epigenetik) und welche Art von Bindungen wir in jungen Jahren erleben. Diese fr\u00fche Pr\u00e4gung hat Auswirkungen darauf, wie wir sp\u00e4ter auf uns selbst und unser Leben schauen, und wie es uns gelingt, mit Stress, Herausforderungen und St\u00f6rungen umzugehen. In diesem Sinne ist Zufriedenheit ein grundlegendes Pers\u00f6nlichkeitsmerkmal, das \u00fcber das Leben hinweg relativ stabil bleibt \u2013 aber (und das ist wichtig) nicht unver\u00e4nderbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend hat der Grad der empfundenen Zufriedenheit mit dem eigenen Leben auch einen wesentlichen Einflu\u00df darauf, welche Rolle die Suche nach Gl\u00fcck bzw. dem Erleben von Gl\u00fccksgef\u00fchlen f\u00fcr uns spielt. Das empfundene Gl\u00fcck addiert sich n\u00e4mlich quasi mit unserem grunds\u00e4tzlichen Grad an Zufriedenheit. Deshalb suchen Menschen, die unzufrieden sind, auch st\u00e4rker nach Gl\u00fccksmomenten. Sie irren umher und hoffen, dass hinter der n\u00e4chsten Ecke das Gl\u00fcck lauert. Diese diffuse, ungerichtete Suche nach Gl\u00fcck ist daher oft ein zentrales Charakteristikum von eher unzufriedenen Menschen. Wer zufrieden ist, braucht diesen Kick nicht. Denn alles ist ja richtig und genug, wie es ist. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend also Drogen, Sex, Geld, Macht und Anerkennung irgendwann ihre Wirkung verlieren, gibt es nur eine Art von Gl\u00fcck derer man niemals \u00fcberdr\u00fcssig wird: das intrinsische Gl\u00fcck, das daraus entsteht, dass man das, was man gerade erlebt oder tut, wirklich gerne macht. Dabei verkettet sich das momentane Gl\u00fccksgef\u00fchl mit der eigenen Zufriedenheit und wirkt so langfristiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne der Ausbildung von Resilienz ist es also sehr wichtig, eine Wahrnehmung daf\u00fcr zu entwickeln, was einem lediglich einen kurzfristigen &#8222;Gl\u00fccksrausch&#8220; verschafft, und was die Dinge sind, die einen langfristig zufrieden machen. Denn man kann nicht dauerhaft gl\u00fccklich sein. Man kann nur dauerhaft zufrieden sein. Sogar intrinsisches Gl\u00fcck f\u00fchrt lediglich zu einer Verl\u00e4ngerung des Gl\u00fccksgef\u00fchls und findet immer wieder ein Ende. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende ist es lediglich die Zufriedenheit im Leben, die bleibt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oft erleben wir das Gef\u00fchl von Gl\u00fcck ein bisschen wie einen Rauschzustand. In diesem Moment f\u00fchlt man sich absolut gro\u00dfartig. Fast, als ob man &#8222;high&#8220; w\u00e4re. Aber dieser Zustand h\u00e4lt meistens nicht besonders lange an. Und auf das Hochgef\u00fchl folgt dann ebenso oft auch eine Art &#8222;Kater&#8220;. 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Es gibt einen Gew\u00f6hnungseffekt.\u00a0Diese Art des berauschenden Gl\u00fccks hat also eine Halbwertzeit und diese sorgt daf\u00fcr, dass wir danach eventuell umso tiefer ins Ungl\u00fccklichsein st\u00fcrzen. <\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><strong>Deshalb ist es sehr wichtig zu verstehen, dass das Gl\u00fccksgef\u00fchl, das wir versp\u00fcren, und <strong>Zufriedenheit im Leben <\/strong>zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind.<\/strong><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Im Gegensatz zu Gl\u00fcck ist Zufriedenheit vor allem eine Lebenshaltung \u2013 also die Frage danach, wie wir unser Leben generell erleben, begreifen, empfinden und bewerten.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Wie zufrieden wir mit unserem Leben sind, wird schon fr\u00fch gepr\u00e4gt und h\u00e4ngt u.a. davon ab, wie unsere Eltern auf ihr Leben und die Welt schauen (Epigenetik) und welche Art von Bindungen wir in jungen Jahren erleben. Diese fr\u00fche Pr\u00e4gung hat Auswirkungen darauf, wie wir sp\u00e4ter auf uns selbst und unser Leben schauen, und wie es uns gelingt, mit Stress, Herausforderungen und St\u00f6rungen umzugehen. In diesem Sinne ist Zufriedenheit ein grundlegendes Pers\u00f6nlichkeitsmerkmal, das \u00fcber das Leben hinweg relativ stabil bleibt \u2013 aber (und das ist wichtig) nicht unver\u00e4nderbar ist.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Entsprechend hat der Grad der empfundenen Zufriedenheit mit dem eigenen Leben auch einen wesentlichen Einflu\u00df darauf, welche Rolle die Suche nach Gl\u00fcck bzw. dem Erleben von Gl\u00fccksgef\u00fchlen f\u00fcr uns spielt. Das empfundene Gl\u00fcck addiert sich n\u00e4mlich quasi mit unserem grunds\u00e4tzlichen Grad an Zufriedenheit. Deshalb suchen Menschen, die unzufrieden sind, auch st\u00e4rker nach Gl\u00fccksmomenten. Sie irren umher und hoffen, dass hinter der n\u00e4chsten Ecke das Gl\u00fcck lauert. 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Denn man kann nicht dauerhaft gl\u00fccklich sein. Man kann nur dauerhaft zufrieden sein. 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